Warum MitarbeiterBegeisterung Chefsache ist

Warum MitarbeiterBegeisterung Chefsache ist

MitarbeiterBegeisterung ist kein Luxus, sondern ein echter Wettbewerbsvorteil. In stetig enger werdenden Märkten haben Kunden in nahezu allen Bereichen die Qual der Wahl. Chronisch unfreundliche Verkäufer? Unzuverlässiger Service? Endlose Telefonschleife? Der nächste Anbieter ist nur einen Mausklick entfernt. Wer seine Kunden vom Seitensprung abhalten möchte, stellt sie daher nicht nur zufrieden, sondern weckt Begeisterung in ihnen. Der Schlüssel zu dieser Begeisterung sind in erster Linie Ihre Mitarbeiter, und deren Engagement hängt – Sie ahnen es schon – von begeisterten und begeisternden Chefs ab.
Der eine oder die andere wird beim Stichwort „MitarbeiterBegeisterung“ wahrscheinlich zusammenzucken: Jetzt reicht es also schon nicht mehr zu motivieren, jetzt sollen Sie auch noch begeistern?! Schließlich zahlen Sie doch bereits ordentliche Gehälter, spendieren Betriebsausflüge und Fachseminare! An dieser Stelle hat Hans Christoph von Rohr, Ex-CEO Klöckner-Werke, eine schlechte Nachricht für Sie: „Kapital lässt sich beschaffen, Fabriken kann man bauen, Menschen muss man gewinnen.“ Dass es dafür mehr als Geld und anderen Incentives benötigt, wissen Motivationsforscher schon lange. Gute Führungskräfte setzen stattdessen auf Motivatoren wie Anerkennung, Eigenverantwortung, Gestaltungsmöglichkeiten und Zugehörigkeit.

mitarbeiterbegeisterungs-check

Mythos Motivation: Was Mitarbeiter wirklich begeistert

„Herr Strupat, kommen Sie mal vorbei und machen Sie meine Leute fit!“ – beim ersten Telefonat mit einem Kunden höre ich so etwas öfter. Da schwingt die Hoffnung mit, Menschen seien in zwei Seminartagen auf Engagement und KundenBegeisterung umzuprogrammieren. Doch so funktioniert die Sache nicht. Wer mehr will als ein Strohfeuer, sorgt am besten für ein dauerhaft motivierendes Arbeitsumfeld. Und wie das aussieht, wissen Wissenschaftler und erfolgreiche Praktiker schon seit Jahren ziemlich genau: Menschen wollen gefordert werden und sich am Arbeitsplatz wohlfühlen. In einer groß angelegten US-Studie sagten fast neunzig Prozent der befragten 20.000 Angestellten, Grund für ihren Jobwechsel sei nicht schlechte Bezahlung gewesen, sondern „das Gefühl, nicht ausreichend gewürdigt worden zu sein“. Doch was können Sie als Chef tun, um Ihren Mitarbeitern dieses Gefühl der Würdigung zu vermitteln? Der BWL-Professor Frederick Herzberg empfiehlt hier das sogenannten „Job-Enrichment“: Dabei wird den Mitarbeitern Verantwortung übertragen und sie werden in die Pflicht genommen – und dann lässt man sie aber auch machen.

Darüber hinaus setzen gute Führungskräfte nicht nur auf Eigenverantwortung, sondern schenken Wertschätzung und Anerkennung: In überdurchschnittlich erfolgreichen Unternehmen werden die Mitarbeiter regelmäßig gelobt und spüren, dass ihr Vorgesetzter sich auch für sie als Mensch interessiert. Hier kommt meine MMMM-Regel ins Spiel: Man muss Menschen mögen! Denn wenn Sie wünschen, dass Ihre Mitarbeiter sich für Ihre Kunden wirklich ins Zeug legen, legen Sie sich am besten für Ihre Mitarbeiter ins Zeug. Es ist toll, wenn ein Chef pünktlich zur Fußball-Weltmeisterschaft für einen neuen Fernseher mit großem Flachbildschirm sorgt. Es wärmt das Herz, wenn alle Mitarbeiter zum Frühlingsanfang überraschend einen kleinen Blumenstrauß auf dem Schreibtisch vorfinden. Es wird Ihre Mitarbeiter begeistern, wenn der Chef ihnen mit einem Reiseführer vom Urlaubsort am letzten Arbeitstag eine tolle Zeit wünscht. WOW-Momente wie diese sorgen für ein engagiertes und loyales Team.

Manager oder Führungskraft: Was begeisternde Chefs auszeichnet

Menschenführung ist mehr als Aufgaben managen. Deshalb brauchen erfolgreiche Unternehmen echte Führungskräfte statt bloßer Manager. Der Unterschied zwischen beiden ist der Fokus: Manager haben Ziele, und sie haben Mitarbeiter. Führungskräfte hingegen wissen, dass sie Ziele nur mit und durch Mitarbeiter erreichen – dass sie die Menschen mitnehmen müssen, um dort anzukommen, wo sie hinwollen. Das erfordert erstens Zeit und zweitens die Bereitschaft, seine Mitarbeiter wirklich zu sehen und ihnen aufmerksam zuzuhören.

MitarbeiterBegeisterung: Manager und Leader © Ralf R. Strupat

MitarbeiterBegeisterung: Manager und Leader © Ralf R. Strupat

Damit ist auch schon das erste der 7K für erfolgreiche Führung auf dem Tisch: Kommunikation. Wenn Sie es schaffen, Ihre Mitarbeiter im Gespräch wirklich zu erreichen, die Anliegen Ihres Gegenübers zu verstehen und Ihre Anliegen deutlich rüberzubringen, ist schon viel gewonnen. Die weiteren sechs K lauten:

  • Konsequenz: Halten Sie sich an Regeln, die Sie aufgestellt haben, und zwar kompromisslos.
  • Konzentration: Fokussieren Sie sich auf wenige wirkungsvolle Maßnahmen, statt sich zu verzetteln.
  • Klarheit: Machen Sie klare Ansagen, worauf es Ihnen ankommt – das betrifft Alltägliches genauso wie übergeordnete Ziele.
  • Kontrolle: Stimmen Sie Kontrolle und Feedback auf Erfahrungsstand und Motivation des jeweiligen Mitarbeiters ab.
  • Kreativität: Seien Sie offen für neues Denken, bleiben Sie spannend für Ihre Mitarbeiter und gehen Sie auch mal neue Wege.
  • Kultur: Welcher Geist soll in Ihrem Unternehmen herrschen? Entscheiden Sie sich ganz bewusst, welche Kultur Sie prägen wollen – und leben Sie diese vor.

Denken Sie dabei daran: Sie müssen nicht alles alleine machen und nicht auf alles eine Antwort haben! Erfolgreicher ist oft, wer seine Leute in die Lage versetzt, selber eine Antwort zu finden. Eine der wichtigsten Fragen an Sie selbst sollte lauten: „Was kann ich weglassen?“ So konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche und erhalten sich Ihre eigene Begeisterungsfähigkeit – unverzichtbare Voraussetzung für echte MitarbeiterBegeisterung.

Die Magie der kleinen Dinge: MitarbeiterBegeisterung in der Praxis

Begeisterungskultur ist die Summe vieler Kleinigkeiten. Die folgende Aufzählung liefert Ihnen viele kleine Denkanstöße für die Entwicklung Ihrer eigenen MitarbeiterBegeisterungs-Strategie – bei einigen davon werden bekannte Dinge anders gemacht, bei anderen komplett neue Dinge getan. Suchen Sie sich das heraus, was zu Ihnen, zu Ihrem Unternehmen und zu Ihrer Branche passt.

  • Sie führen Vorstellungsgespräche? Dann führen Sie auch Ausstiegsgespräche! Ausscheidende Mitarbeiter geben Ihnen wertvolle Hinweise auf Potenzialstellen im Unternehmen – und kommen gerne wieder, wenn sie ohne gekränkte Eitelkeit verabschiedet wurden.
  • Spendieren Sie an Hundstagen eine Runde Eis für alle.
  • Wenn die Basis nicht stimmt, ist die kreativste Begeisterungsidee nichts als blasse Tünche auf morschem Grund. Deshalb fragen Sie sich (und Ihre Mitarbeiter!): Welche Umgangsformen sollen in unserem Hause gelten? Der Direktor eines Frankfurter Fünfsternehotels prägt sich beispielsweise vor Ausbildungsbeginn oder Stellenantritt mithilfe von Fotos die Namen aller neuen Mitarbeiter ein und begrüßt jeden vom ersten Tag an konsequent mit Namen.
  • Organisieren Sie eine Kinderbetreuung für Notfälle, die Eltern unterstützt, wenn andere Betreuungspersonen ausfallen.
  • Wer möchte, dass Mitarbeiter sich für „ihr“ Unternehmen begeistern, tut gut daran, ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg zu würdigen. Mit Mitarbeitern zu werben, ist ein Weg, um zu zeigen: Die Mitarbeiter sind es, die das Unternehmen ausmachen.
  • Laden Sie die Kinder Ihrer Mitarbeiter in den Schulferien zu einem Schnuppertag ein, an dem sie den Arbeitsplatz ihrer Eltern kennenlernen und selbst mitarbeiten dürfen.
  • Fragen Sie eingewanderte Mitarbeiter, ob sie Lust haben, einen türkischen, polnischen, russischen, serbischen … Abend für Ihre Kollegen vorzubereiten, mit landestypischen Gerichten und landestypischer Musik. Stellen Sie dafür Räume und ein Budget zur Verfügung.

Fazit

In immer enger werdenden Märkten sind begeisterte Mitarbeiter ein echter Wettbewerbsvorteil: Als Schnittstelle zum Kunden geben sie ihre Begeisterung weiter und leisten so einen wichtigen Beitrag zur Kundenfindung und -bindung. Wer seine Mitarbeiter begeistern will, setzt auf Eigenverantwortung, Wertschätzung, professionelle Führung – und zahlreiche Kleinigkeiten, mit denen Sie Ihre Mitarbeiter immer wieder überraschen und erfreuen.

Bloßer Vorgesetzter oder engangierte Führungskraft?

Finden Sie es heraus!

 

Fotoquelle Titelbild: © Fotolia/ Konstantin Yuganov

By | 2017-02-12T18:30:12+00:00 10. August 2016|Mitarbeitermotivation|