Ein Leitbild erstellen – oder: Mit welcher Vision wollen Sie begeistern?

Ein Leitbild erstellen – oder: Mit welcher Vision wollen Sie begeistern?

Ein Leitbild erstellen scheint für viele Unternehmen nicht schwierig zu sein: „Wir kommunizieren offen und fair. Unsere Mitarbeiter sind unser höchstes Gut. Wir führen partnerschaftlich und auf Augenhöhe. Unsere Werte sind Freundlichkeit und Verantwortung….“

Kennen Sie solche Leitbilder, die häufig völlig unbeachtet in den Büros der Republik hängen? Dann wissen Sie auch, dass es sich dabei in der Regel um nichts als hohle Phrasen handelt. Wie ist das denn bei Ihnen? Kommunizieren Sie in Ihrem Unternehmen wirklich offen und fair? Werden Sie und Ihre Kollegen tatsächlich wie das höchste Gut der Firma behandelt? Und ist der Ton der Chefetage im Umgang mit den Mitarbeitern im wahrsten Sinne des Wortes partnerschaftlich?

Falls Sie jetzt spontan mit Nein antworten, weil Sie sich an abwertende Kommentare der Kollegen oder an Brülltiraden des Vorgesetzten erinnern, haben Sie das vermeintliche Leitbild schon als das entlarvt, was es wirklich ist: ein Leidbild, das schneller wieder vergessen wird, als es geschrieben wurde.

Wie geht es nun besser? Wie können Führungskräfte Leitbilder entwerfen, die ihr Team wirklich voranbringen? Die Antwort finden Sie in diesem Beitrag.

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Hände weg von falschen Versprechungen

Lassen Sie uns zunächst einmal einen Blick darauf werfen, wie es NICHT geht. „Wir möchten …“, „Unser Ziel ist es …“ Fällt Ihnen etwas auf? Egozentrierter geht es kaum, und dennoch handelt es sich bei diesen Satzanfängen um typische Leitbild-Formulierungen. Und was ist mit den Kunden? Auch die kommen in so manchem Leitbild gar nicht vor, weil sich viele Unternehmen ausschließlich um die eigene Achse drehen.
Das Ergebnis dieser Egozentriertheit: Uninspirierte Mitarbeiter, die muffelig statt freundlich sind und auf diese Weise einen enormen wirtschaftlichen Schaden anrichten.

Das glauben Sie nicht? Dann lassen Sie uns einen Blick auf den Engagement-Index 2015 des renommierten Gallup-Instituts werfen. Demnach sind nur 16 Prozent der Arbeitnehmer mit Herz, Hand und Verstand bei der Sache, 68 Prozent der Beschäftigten machen Dienst nach Vorschrift, und weitere 16 Prozent haben innerlich schon längst gekündigt. Der von den Forschern bezifferte Schaden: Jahr für Jahr entgehen der deutschen Wirtschaft zwischen 76 und 99 Milliarden Euro durch Produktivitätseinbußen.

Ihnen soll das nicht passieren? Sie möchten ein Leitbild erstellen, das wirklich umgesetzt wird und sowohl zu begeisterten Mitarbeitern als auch zu begeisterten Kunden führt? Dann machen Sie sich zuerst bewusst, dass Sie den Geist Ihres Unternehmens nicht zwangsverordnen können. Stattdessen geben Sie ihm die Gelegenheit zu wachsen, indem er von den Führungskräften vorgelebt und von den Angestellten mitgetragen wird. Ein Unternehmensgeist äußert sich im Tun und er wird dadurch legitimiert, dass von der Führungskraft bis zum Praktikanten jeder genau weiß, welche Verhaltensweisen nicht geduldet und welche stattdessen erwartet werden.

Ein Leitbild erstellen, das seinen Zweck erfüllt

Was bedeutet das nun konkret? Grundsätzlich sollten Sie daran denken, Ihren Kunden in dem geplanten Leitbild einen wichtigen Platz einzuräumen. Sie sind schließlich der Grund dafür, dass Ihr Unternehmen überhaupt existiert, und wenn Ihre Mitarbeiter nur Dienst nach Vorschrift leisten oder schlimmstenfalls sogar schlecht gelaunt ans Werk gehen, ist es damit möglicherweise bald vorbei. Die Konkurrenz ist groß, und wenn Ihre Wettbewerber bessere Begeisterungsstrategien haben als Sie selbst, dürfen Sie sich nicht wundern, wenn Ihre Kunden abwandern.

Doch damit ist es noch lange nicht getan, denn zusätzlich zum Kundenfokus ist es elementar, dass ein Leitbild nicht von oben diktiert wird. Gute Leitbilder werden gemeinsam mit den Mitarbeitern im Team entwickelt – und zwar präzise, individuell und branchenspezifisch. Idealerweise lassen Sie sich dabei von folgenden Fragen leiten: Was erscheint Ihnen heute völlig unmöglich, für Ihre Kunden zu tun, wäre jedoch fantastisch, wenn es gelänge? Wie würde dies Ihr Unternehmen – Sie und Ihre Mitarbeiter eingeschlossen – verändern? Ob die Antworten, die Sie darauf finden, wirklich ein tragfähiges Leitbild ergeben, das authentisch genug ist, um im täglichen Handeln als Richtschnur zu dienen, spüren Sie beim Lesen.

Hier noch einmal die wichtigsten Punkte, die Ihr Leitbild in jedem Fall erfüllen sollte, im Überblick:

  • Das Leitbild muss von allen Mitarbeitern mitgetragen und daher auch gemeinsam im Team entwickelt werden.
  • Hüten Sie sich vor Plattitüden. Ihr Leitbild sollte so einzigartig sein wie Ihr Unternehmen.
  • Ein gelungenes Leitbild gibt eine Richtung für die Zukunft vor.
  • Formulieren Sie Ihr Leitbild so einfach und verständlich wie möglich.
  • Erinnern Sie sich noch an die wichtigsten Faktoren für MitarbeiterBegeisterung? Ein gutes Leitbild trägt seinen Teil dazu bei, indem es Sinn stiftet.
  • Ihr Leitbild sollte immer die Kunden im Blick behalten.
  • Das ultimative Zeichen, dass Ihr Leitbild gelungen ist? Es wirkt begeisternd!

Wo bleibt die Begeisterung? Erwecken Sie Ihre Vision wieder zum Leben!

Sie haben bereits ein Leitbild entwickelt, das einst tragfähig erschien, und Sie wundern sich, warum es plötzlich von allen ignoriert wird? Dann dürfen Sie sich zwei Fragen stellen. Erstens: Haben Sie wirklich alle oben aufgeführten Punkte beachtet? Und zweitens: Kann es vielleicht sein, dass die Begeisterung, die einst von diesem Leitbild ausging, im Laufe der Zeit einfach nur verschüttet wurde? In diesem Fall haben Sie die Chance, das kleine Flämmchen der Begeisterung wieder zum Leben zu erwecken und in ein großes Feuer zu verwandeln.
Erinnern Sie sich an den BeGEISTerungskreislauf? Dann kennen Sie den Zusammenhang aus begeisterten Führungskräften, die für begeisterte Mitarbeiter sorgen, die wiederum die Kunden begeistern – und vice versa.
Sollte die Begeisterung, die in Ihrer ursprünglich Vision zum Tragen kam, tatsächlich nur verschüttet sein, überlegen Sie sich doch einfach ein paar kleine Überraschungen, mit denen Sie Ihren Kunden eine Freude bereiten. Die Sogwirkung, die dadurch entsteht, wird Sie überraschen: Sind die Kunden begeistert, sind auch Ihre Mitarbeiter begeistert, und es wird nicht lange dauern, bis sie noch mehr Freude schenken und noch mehr Kunden begeistern, denn Erfolg macht süchtig. Auf diese Weise entwickelt sich langsam eine Aufwärtsspirale aus wachsender Anziehungskraft und Begeisterung, die nach und nach weitere Aktionen und Handlungen nach sich zieht und letztlich dazu führt, dass Ihre Mitarbeiter ihr Tun von sich aus unter einen verbindenden „Leitstern“ stellen. Probieren Sie es aus!

Ist ein Leitbild sinnvoll? Natürlich – doch nicht um jeden Preis.

Immer wieder wird mir die Frage gestellt, ob wirklich jedes Unternehmen ein Leitbild braucht. Meine Antwort: Jein, denn Leitbilder bringen nur dann den gewünschten Erfolg, wenn sie eine Vision vermitteln, die im täglichen Arbeitsleben umgesetzt werden kann. Bereits die gemeinsame Diskussion darüber kann Ihr gesamtes Team für die Begeisterungskultur und den Geist Ihres Unternehmens sensibilisieren, doch wenn Sie sich im Moment noch außerstande sehen, eine von Herzen kommende, echte und auf Ihr Unternehmen zugeschnittene Vision zu entwickeln, dann lassen Sie es besser fürs Erste bleiben. Besser gar kein Leitbild als ein Leidbild, das niemandem etwas bringt.

Sie trauen es sich zu, gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern ein Leitbild zu entwickeln, das wirklich begeistert? Wunderbar! Dann greifen Sie auf die Tipps aus diesem Artikel zurück und machen Sie sich im Team ans Werk. Sammeln Sie Ideen, diskutieren Sie und geben Sie Ihrer Begeisterung einen Rahmen, der den Namen Leitbild verdient. Ihre Kunden werden es Ihnen danken!

 

Fotoquelle Titelbild: © Fotolia/ Trueffelpix

By | 2017-02-12T18:30:15+00:00 13. Juli 2016|Mitarbeitermotivation|

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