Schädlingsbekämpfung mal anders: So können Giftzwerge Ihrem Betriebsklima nichts anhaben

Schädlingsbekämpfung mal anders: So können Giftzwerge Ihrem Betriebsklima nichts anhaben

Zwei Freunde, eine Wanderung durch den Regenwald und unzählige ausgehungerte Blutegel – das sind die Zutaten einer Urlaubsanekdote, die mir neulich ein Kollege erzählt hat. Mit angewidertem Gesicht berichtete er davon, wie er inmitten der australischen Natur von einer Horde „blutrünstiger Monsteregel“ – seine Worte – attackiert wurde und acht Kilometer lang mit nichts anderem beschäftigt war, als sich gegen die unliebsamen Begleiter zu wehren.

Mein erster Gedanke, als ich diese Geschichte gehört habe: „Ich weiß schon, warum ich lieber nach Mallorca fliege.“ Mein zweiter Gedanke: „Wenigstens keine Zecken.“ Blutegel sind leicht zu erkennen, und mit einer Prise Salz wird man sie schnell wieder los. Zecken hingegen machen es sich an den unmöglichsten Stellen gemütlich, sind nur nach gründlicher Suche auffindbar und es erfordert Präzisionsarbeit, sie vollständig zu entfernen. Außerdem übertragen sie im Gegensatz zu Blutegeln Krankheiten, die schlimmstenfalls tödlich enden können.

Was dieser Exkurs in die Tierwelt soll? Im Business-Alltag ist es genauso: Es gibt schwierige Mitarbeiter, die leicht zu erkennen sind und keinen allzu großen Schaden anrichten können, und es gibt Zecken, die sich auf Kosten anderer still und heimlich bereichern. Im Unternehmensumfeld nenne ich derartige Intriganten zwar lieber Giftzwerge, doch das ändert nichts an der Tatsache, dass sie für das Betriebsklima hochgefährlich sind. Giftzwerge demotivieren mit ihrem Verhalten komplette Abteilungen und stecken ihre Kollegen mit negativen Gedanken an. Im Folgenden erfahren Sie deshalb, woran Sie solche Mitarbeiter künftig schneller erkennen können und wie Sie verhindern, dass sie mit ihrem Verhalten bleibende Schäden hinterlassen. Beginnen wir mit einer Typologie.

cta-banner-7k3

Schwierige Mitarbeiter, und wie sie sich voneinander unterscheiden

Im Laufe meines Berufslebens bin ich bereits vielen sogenannten „schwierigen“ Mitarbeitern begegnet. Manche waren tatsächlich eine reale Gefahr für das Betriebsklima, andere wurden einfach nur missverstanden. Einige der typischsten Fälle möchte ich nun für Sie auflisten:

  • Gewohnheitsjammerer und Opfertypen: Diese Menschen sehen eher Probleme als Chancen und sind davon überzeugt, dass im Zweifel immer andere schuld sind. Praktisch, denn mit dieser Haltung kann man sich bequem zurücklehnen.
  • Blender und Schönredner: „Kein Problem.“ Diesen Satz spulen Blender selbst unter den härtesten Bedingungen unbeirrt ab. Der Haken an der Sache: Statt aktiv zu werden, verschleppen sie ihre Aufgaben lieber.
  • Der Besserwisser: Niemand ist so schlau wie er – glaubt er zumindest. Hätte er etwas zu entscheiden, würde alles besser laufen. Hat er aber nicht, weswegen er sich aufs Meckern beschränkt. Und das gerne, schließlich geht er dabei keinerlei Risiko ein.
  • Das Kätzchen, das sich für einen Löwen hält: Eine Variante des Besserwissers mit unerschütterlichem Glauben an die eigene Kompetenz – auch wenn immer wieder etwas schiefgeht.
  • Der Jasager: Er ist mit allem einverstanden. Vor allem deshalb, weil er eigentlich nur seine Ruhe haben möchte
  • Der „aus Prinzip erst mal Neinsager“: Er ist nie mit etwas einverstanden. Das liegt allerdings weniger an der Sinnhaftigkeit etwaiger Anweisungen als an seinem grundsätzlichen Problem mit Autoritäten.
  • Das Sensibelchen: Ihm setzt es arg zu, wenn der Ton etwas entschiedener wird oder Kritik ansteht. Dann ist erst einmal Selbstmitleid angesagt.
  • Der «Mir kann hier keiner was»-Mächtige: Solche Mitarbeiter erzählen gerne, dass sie „praktisch unkündbar“ sind. Ihr Hauptanliegen: Ungestört weitermachen wie bisher.
  • Der faule Apfel, der die Kiste ansteckt: Im schlimmsten Fall versteckt sich hier ein Intrigant, der versucht, einen Keil zwischen das Team zu treiben. In abgemilderter Form kann es auch sein, dass er sich einfach nur auf Kosten der Kollegen einen faulen Lenz macht und damit auf Dauer deren Motivation untergräbt und das Betriebsklima zerstört.

Woran Sie den Giftzwerg erkennen …

Sie ahnen es schon: Der faule Apfel aus meiner Auflistung ist genau der Typ, den ich als Giftzwerg bezeichne. Ihn gibt es ihn zwei verschiedenen Ausführungen, nämlich als „offenen“ und „verdeckten“ Giftzwerg. Erster ist wie ein tollwütiger Hund leicht zu erkennen, doch wenn Unternehmen es mit der zweiten Version zu tun bekommen, müssen sie sich warm anziehen. Verdeckte Giftzwerge sind begnadete Blender und intrigieren, was das Zeug hält. Dabei beschränken sie sich nicht nur auf die Arbeit an der „Basis“, von der aus sie sich mit allen Mitteln einen Weg nach oben bahnen wollen. Diejenigen, die über lange Zeit mit ihrem Verhalten erfolgreich waren und nicht rechtzeitig identifiziert wurden, sitzen mittlerweile bequem in ihren Chefsesseln und schaden getreu dem Motto „der Fisch stinkt vom Kopf“ dem Betriebsklima ihres Unternehmens.

Egal ob als Chefs, Mitarbeiter oder Kollegen: Statt Begeisterung verbreiten Giftzwerge Angst, statt fortschrittlicher Lösungen fördern sie Pessimismus und rückwärtsgewandte Gedanken. „Das funktioniert nie“, ist ein beliebter Satz, den sie immer wieder von sich geben und mit dem sie ihr Umfeld nachhaltig demotivieren. Wird Giftzwergen nicht Einhalt geboten, infizieren sie mit dieser negativen Haltung irgendwann selbst die größten Optimisten, und das Betriebsklima nimmt dauerhaft Schaden. In dieser Hinsicht sind intrigante Giftzwerge übrigens noch schlimmer als die eingangs erwähnten Zecken, denn während die tierischen Blutsauger sich ihre Opfer einzeln vornehmen, bevorzugt der Giftzwerg in der Regel den Rundumschlag. Und schlimmer noch: Negative Stimmungsmache ist ein Gruppenphänomen, das irgendwann zum Selbstläufer wird. Das heißt, es greift immer weiter um sich, während der eigentliche Verursacher sich genüsslich zurücklehnen und seine Hände in Unschuld waschen kann.

Worauf Sie im Umgang mit schwierigen Mitarbeitern in jedem Fall achten sollten …
Die meisten Menschen haben ein Bedürfnis nach Anerkennung und Aufmerksamkeit. Dieses Wissen können Sie für sich nutzen – auch wenn sich der Ausdruck dieses Bedürfnisses von Fall zu Fall unterscheidet. Während der eine ständig jammert, prahlt der nächste mit seinen Leistungen und wieder ein anderer weiß immer alles besser. Wenn Sie dieses (in der Regel unerwünschte) Verhalten ignorieren, erreichen Sie nur, dass die betreffende Person so lange weitermacht, bis endlich eine Reaktion kommt. Wollen Sie das Ihren Nerven wirklich antun? Deutlich sinnvoller ist es, den Jammerer aufzumuntern, den Besserwisser beim Wort zu nehmen und von dem allseits bekannten Blender konkrete Ergebnisse einzufordern.

… und was Sie gegen den Giftzwerg tun können

Der menschliche Organismus kann durch Impfungen vor bestimmten Krankheitserregern geschützt werden, die von tierischen Schädlingen übertragen werden. Warum nutzen Sie diese Vorsichtsmaßnahme nicht auch für Ihr Unternehmen? Der passende Impfstoff heißt Begeisterung, und er steht Ihnen jederzeit zur Verfügung. Am besten, Sie beginnen noch heute damit, eine Begeisterungskultur zu entwickeln, in der Ideenkiller und Energiefresser wie Giftzwerge keine Chance haben. Sobald Sie Ihre Mitarbeiter mit Begeisterung infizieren, werden sie für miese Machtspielchen und Intrigen nicht mehr empfänglich sein, sondern den Störenfried konsequent ausgrenzen. Das klappt besonders gut vor dem Hintergrund, dass Begeisterung und positives Denken ansteckend sind – und zwar noch ansteckender als das ewige Schwarzmalen konsequenter Neinsager.
Sinnvoll sind derartige Begeisterungs-Impfungen vor allem dann, wenn Sie zuvor – zumindest für einen begrenzten Zeitraum – so viele Schädlinge wie möglich eliminiert haben. Dafür ist es wesentlich, dass Sie dem Treiben der Giftzwerge nicht einfach nur zuschauen, sondern aktiv gegensteuern. Der erste Schritt hierfür ist ein ernst gemeintes Krisengespräch, in dem Sie Ihre Beobachtungen so exakt wie möglich schildern und aufzeigen, welche Auswirkungen das genannte Verhalten auf das Betriebsklima hat. Achten Sie darauf, Ihrem hauseigenen Giftzwerg klarzumachen, dass es andere Bereiche gibt, in denen er wertgeschätzt wird, doch zeigen Sie auch unmissverständlich auf, dass Sie Intrigen und sonstige Mauscheleien nicht tolerieren werden.
Dieses Gespräch ist der erste Warnschuss. Hat es nicht die gewünschte Wirkung, bleibt nur die Abmahnung – und schlimmstenfalls die Kündigung.

Bewahren Sie sich Ihr gutes Betriebsklima

Erkennen Sie Ihre Mitarbeiter in diesem Beitrag wieder? Und haben Sie vielleicht auch einen Giftzwerg in Ihrer Mannschaft? Dann nutzen Sie meine Tipps, um eine gelebte Begeisterungskultur zu entwickeln, in der negatives Denken und Intrigen keinen Platz haben.
Und sollte sich dennoch einmal ein Schädling bei Ihnen einnisten: Gehen Sie auf Nummer sicher und schützen Sie Ihr Team vor seinem Einfluss. Manchmal genügt im übertragenen Sinne Salz, um ihn loszuwerden; in anderen Fällen wird Ihnen nichts anderes übrigbleiben, als dem ungeliebten Giftzwerg mit der Zeckenzange den Garaus zu machen. Vertrauen Sie in jedem Fall Ihrem Instinkt und achten Sie auf Alarmsignale Ihrer Mannschaft. Der Erfolg Ihres Unternehmens sollte es Ihnen wert sein.

 

Fotoquelle Titelbild: © Fotolia / lassedesignen

By | 2017-02-12T18:29:49+00:00 2. November 2016|Mitarbeiterführung, Personalführung|