Führung durch Motivation: 4 Gründe warum Mitarbeiterbegeisterung kein Luxus ist

Führung durch Motivation: 4 Gründe warum Mitarbeiterbegeisterung kein Luxus ist

Was bedeutet eigentlich Führung durch Motivation? Nun, dazu muss ich ein wenig ausholen: In einem typischen Krisengespräch fällt er früher oder später in jedem Unternehmen, der Satz: „Wir alle sitzen im gleichen Boot.“ Die Reaktionen im Team sind vorprogrammiert. Hat es der Chef da gerade tatsächlich gewagt, gegenüber seinen Mitarbeitern das „Unternehmensboot“ zu erwähnen?

Dafür erntet er heute in der Regel nur noch mattes Seufzen und nicht selten auch einen zynischen Spruch im Kollegium. Das Bild mag zwar in so mancher Hinsicht treffend sein, dennoch unterschätzt die Führungskraft die negative Bedeutung, die mit diesem Sprichwort einhergeht.

Klar, ein Boot kann weit entfernte Ziele erreichen. Es kommt auf jeden im Team an, keine Frage – vom Schiffsjungen bis hin zum Kapitän. Was der Chef bei diesem Spruch unterschätzt: Auf der Kapitänsbrücke lebt es sich stets etwas angenehmer als im Unterdeck. Und auch heute soll es noch Schiffe geben, auf denen der einfache Matrose nie erfährt, ob der Kapitän seine Arbeit auch wirklich zu schätzen weiß.

84 % der Mitarbeiter fühlen sich nicht mit ihrem Unternehmen verbunden

Unmotivierte Mitarbeiter trifft man an den verschiedensten Orten. Sei es die Servicekraft im Nobelcafé, die einem dem Kuchen auf den Tisch „knallt“, die Verkäuferin im Buchladen, der schon vor Tagen das Geschenkpapier ausgegangen ist, oder die „Kundenhotline“, die mich einfach nicht mit dem richtigen Ansprechpartner sprechen lassen will.

Jahr für Jahr fördert der „Engagement Index“ des Gallup Instituts zutage, dass noch immer eine Mehrheit der Arbeitnehmer unzufrieden und somit auch tagtäglich unmotiviert in ihrem Job ist.

Auch die aktuellste Studie aus dem Jahr 2015 bildet hier keine Ausnahme. Laut ihr geben 84% der Arbeitnehmer in Deutschland an, keine oder nur eine geringe emotionale Bindung zu ihrem Unternehmen zu haben.

Im Vergleich zu dem kleineren, emotional stark mit ihrem Unternehmen verbundenen Anteil der Arbeitnehmer, haben diese 84% laut der Studie einen negativen Einfluss auf den Gesamterfolg des Unternehmens. So sind die durchschnittlichen Krankheitstage der emotional weniger ungebundenen Arbeitnehmer im Vergleich mit den gebundenen um bis zu vier Tage pro Jahr höher. Außerdem würden nur 16% der ungebundenen Mitarbeiter Produkte ihrer Firma an Freunde oder Angehörige weiterempfehlen, wohingegen 78% der gebundenen Mitarbeiter dies ohne weiteres tun würden. Die Weiterempfehlungsrate des Unternehmens als Arbeitgeber fällt mit 3% in der emotional ungebundenen Gruppe sogar noch geringer aus, während 84% der emotional gebundenen Mitarbeiter ihr Unternehmen als Arbeitgeber empfehlen.

Viele der 84% emotional nicht mit ihren Unternehmen verbundenen Arbeitnehmer haben innerlich bereits gekündigt – der jährlich dadurch entstehende volkswirtschaftliche Schaden beträgt allein in Deutschland zwischen 77 und 100 Milliarden Euro.

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Diagnose: Unmotiviert.

Die Diagnose passt zu der Servicekraft, der Buchverkäuferin oder auch den Mitarbeitern an der Kundenhotline: Sie verhalten sich wie Mitarbeiter, die Dienst nach Vorschrift für eine gute Leistung halten und dabei noch der Meinung sind, dass sie ihren Job recht ordentlich machen.

Die Gallup Studie fand auch heraus, dass 69% aller befragten Mitarbeiter angeben, in ihrer beruflichen Laufbahn mindestens einmal in einem Team mit einer schlechten Führungskraft gearbeitet zu haben. Und in dieser Zahl könnte die Wurzel aller unmotivierten Arbeitnehmer liegen. Motivation ist eine Folge emotionaler Verbundenheit. Dabei geht es um Gefühle – und damit können wir in einem vermeintlich „rationalen“ Geschäftsleben offenbar nur schlecht umgehen. Gefühle und Emotionen spielen ja auch nur selten eine Rolle in der BWL-Vorlesung.

Nur 41% der Arbeitnehmer weisen ihrem Vorgesetzten eine hohe Kompetenz in seinem Aufgabengebiet zu, 11% sind gar davon überzeugt, dass der Chef eher ungeeignet für seine Position ist.

Dabei liegt es an der Führungskraft, ob Mitarbeiter ihren Job mit Begeisterung leben oder sich lieber in den Schmollwinkel der inneren Kündigung zurückziehen und nur das Allernötigste bewegen. „Mitarbeiter verlassen in der Regel nicht ihr Unternehmen, sondern Vorgesetzte“, das war bereits vor einigen Jahren die Kernaussage eines Gallup Engagement-Index und auch in der aktuellen Studie geben 11% der Befragten an, dass sie innerhalb der letzten 12 Monate ein Unternehmen aufgrund ihres Vorgesetzten verlassen haben.

Führung durch Motivation: Menschen muss man gewinnen

„Kapital lässt sich beschaffen, Fabriken kann man bauen, Menschen muss man gewinnen“, sagt Hans Christoph von Rohr, ehemaliger CEO eines internationalen Anlagenbauers. Dass man Menschen nicht nur mit Geld oder anderen Incentives gewinnt, wissen Motivationsforscher schon lange. Im Gegenteil: Die Bezahlung generell ist schließlich selbstverständlich und eine bessere Bezahlung motiviert allenfalls kurzfristig. An der Einstellung und der emotionalen Bindung zum Unternehmen ändert sie jedoch nichts. Führung durch Motivation bedeutet, regelmäßig Anerkennung zu zeigen, Eigenverantwortung zu überlassen, Gestaltungsmöglichkeiten zu bieten oder Zugehörigkeitsgefühle zu erschaffen. Wer gebraucht wird und sich zugehörig fühlt, der fühlt sich motivierter, auch wenn er einmal viel zu tun hat.

Stimmen die Rahmenbedingungen, sind Mitarbeiter durchaus dazu bereit, sich über das „normale Maß“ hinaus zu engagieren. Und dieses Engagement kommt auch beim Kunden an.

Ich persönlich erinnere mich zum Beispiel gerne an einen Aufenthalt in einem Hotel zurück, bei dem ich einen Service bekam, der in erster Linie nicht selbstverständlich ist. Nachdem ich dort am Abend zuvor sehr spät eingecheckt habe, stellte ich nach dem auschecken am nächsten Morgen um 7 Uhr fest, dass die Mitarbeiter es sich nicht haben nehmen lassen, mir die Scheiben an meinem Auto noch in der Nacht zu reinigen. Hätte mich nicht ein kleiner Zettel an der Windschutzscheibe darauf aufmerksam gemacht, wäre mir dieser Service sehr wahrscheinlich gar nicht aufgefallen. Doch genau dieses außergewöhnliche Engagement war es, das mich heute noch gerne an den Aufenthalt in diesem Hotel zurückerinnern lässt.

„Wir haben bereits alles versucht.“

Ich erlebe es oft, dass die Führungskräfte die Schuld nur allzu gern von sich weisen. Man habe bereits alles versucht, schlussendlich läge es dann wohl einfach an den falschen Mitarbeitern, heißt es dann. Auf die Frage hin, was man denn alles versucht habe, stellt sich oft heraus, dass ordentliche Gehälter gezahlt werden, ein jährlicher Betriebsausflug selbstverständlich sei und dass die Mitarbeiter in regelmäßigen Abständen auf Seminare geschickt würden. Dass das schon lange nicht mehr ausreicht um Mitarbeiter wirklich zu motivieren, dass wissen Sie, wenn Sie meinen Blog schon länger verfolgen. Die unmotivierten Mitarbeiter werden dann häufig als Arbeitsverweigerer abgestempelt, zumindest so lange, bis die Führungskraft realisiert, dass die Mitarbeiter sehr wohl mit Begeisterung und Motivation an etwas arbeiten können, wenn sie eine Sache wirklich interessiert. So manche Führungskraft erkennt ihren Mitarbeiter kaum wieder, wenn er plötzlich feststellt, dass der unscheinbare Herr Müller aus der Produktion in seiner Freizeit eine Jugendmannschaft trainiert, ein Turnier organisiert und gleichzeitig auch noch dafür gesorgt hat, dass das Team aus der französischen Partnerstadt gut untergebracht ist. Begeisterung pur also – doch leider verschwindet diese auf geisterhafte Weise, sobald Herr Müller die Firma betritt. Genau an dieser Stelle ist es die Aufgabe der Führungskraft, es zu schaffen, dass Mitarbeiter diese Form der Begeisterung auch auf ihre Arbeit und das Unternehmen übertragen.

Darum ist MitarbeiterBegeisterung kein Luxus

Dabei geht es bei der MitarbeiterBegeisterung nicht um einfache Geheimtipps für simple „Mitarbeiterbespaßung“. Das mag zwischendurch vielleicht ganz nett sein, geht jedoch am Unternehmensalltag vorbei. Hier einmal 4 Gründe, warum Sie als Chef großes Interesse an begeisterten Mitarbeitern haben sollten:

  1. Sie brauchen Mitarbeiter, die mitdenken.
  2. Sie brauchen Mitarbeiter, die Kunden begeistern.
  3. Sie haben kein Geld zu verschenken.
  4. Mitarbeiterbegeisterung bereichert auch Ihr Arbeitsleben.

1. Darum brauchen Sie Mitarbeiter, die mitdenken:

Die Arbeitswelt ist in den letzten Jahren immer komplexer geworden. Nicht nur die technischen Möglichkeiten haben sich vervielfältigt, auch die Anforderungen der Kunden an ein Produkt oder eine Dienstleistung sind stark angestiegen. Einfache Tätigkeiten werden zunehmend automatisiert durchgeführt und die verbleibenden Arbeitsplätze stellen immer höhere Anforderungen an die Mitarbeiter. So muss ein KFZ-Mechaniker heute nicht mehr nur mit Werkzeug umgehen, er muss auch mit komplexen Messgeräten arbeiten können. Gleichzeitig hat der Kunde durch das Internet heute ein immenses Vorwissen, mehr Auswahl und einen größeren Anbieterkreis den er nutzen kann. Mitdenkende Mitarbeiter sind sich darüber im Klaren, bilden sich regelmäßig auch aus eigenem Interesse fort und arbeiten so in vielen Fällen sogar noch effektiver.

2. Mitarbeiter, die Kunden begeistern

Erinnern Sie sich an eine Situation, in der Sie selbst einmal als Kunde begeistert waren? Woran lag das? Am Produkt oder am tollen Service? Wir sind dann begeistert, wenn wir positiv überrascht sind, wenn wir mehr bekommen, als wir erwartet haben. Dieses „mehr“ sind nicht zwangsläufig Bonuspunkte oder dergleichen. Manchmal reicht es schon aus, wenn ein Mitarbeiter es schafft uns ein Produkt genau so zu erklären, dass für uns keinerlei Fragen mehr offen bleiben. Oder wenn einem Café-Mitarbeiter auffällt, dass der Kunde eine Verletzung am Bein hat und ihm daher einen anderen Platz mit mehr Beinfreiheit anbietet. Menscherlebnis geht hier vor Materialerlebnis. Dass Produkte immer besser werden und Rabatte immer höher ausfallen, das ist der Kunde bereits gewöhnt, daher müssen Unternehmen die Chance nutzen, dem Kunden einen echten Überraschungsmoment zu bieten.

3. Sie haben kein Geld zu verschenken

Schlechte Stimmung im Unternehmen kostet Geld: Laut einer Umfrage des „Deutschen Marketingbarometers“ gehen bis zu 70% der Kunden durch unfreundliche oder nicht unternehmensorientierte Mitarbeiter verloren. Außerdem neigen Mitarbeiter, die sich schlecht behandelt gefühlt haben, häufiger dazu, ihren Arbeitgeber zu verklagen oder sich gar an ihm zu rächen. Die Zeitschrift „Capital“ bezifferte die Kosten für solche Racheakte im Jahr 2007 auf 1,6 Milliarden Euro.

4. Begeistert Chef sein

Was macht mehr Spaß? Aufseher, oder ein guter Kapitän zu sein? Diese Frage mag vielleicht einen rhetorischen Charakter haben, dennoch sind viele Chefs von der Rolle des begeisterten Chefs noch meilenweit entfernt. Sie halten sich tagelang an einem Thema auf und klagen immer wieder über die gleichen Missstände und Fehler, Druck von „oben“ und „unten“ und empfinden ihr Gehalt zunehmend als Schmerzensgeld. Dass es auch anders geht, beweisen viele Unternehmen, in denen die Führungskräfte keine Antreiber oder Kontrolleure sind, sondern sich eher als „Förderer“ oder „Ermöglicher“ sehen. Sie bemühen sich, das Bestmöglichste aus ihren Kollegen herauszuholen.

Um zu der Metapher vom Anfang zurück zu gelangen: Führung durch Motivation bedeutet also ein Kapitän zu sein, der weiß, wie er seine Matrosen motivieren kann, der über die Arbeitsbedingungen seiner Mitarbeiter Bescheid weiß und dem etwas daran liegt, sein Schiff motiviert auf dem richtigen Kurs zu halten.

Fotoquelle Titelbild: © Fotolia 2016 / Kenishirotie

By | 2017-02-12T18:30:21+00:00 1. Juni 2016|Mitarbeiterführung, Mitarbeitermotivation, Personalführung|