Die zehn häufigsten Irrtümer über KundenbegEIsterung
Aller Anfang sind Sie
Service ist eine Bringschuld, kein Selbstbedienungsartikel und vor allem auch kein Selbstläufer!
Service ist in aller Munde. Nicht nur für Handel und Dienstleister ist Kundenservice der Schlüssel zum Erfolg. Nicht von ungefähr wird sein Stellenwert sehr hoch eingestuft. Immer neue Anstrengungen werden unternommen, Kunden über ein umfangreiches Serviceangebot zufrieden zu stellen bzw. zu begeistern und so als Dauerkunden an das Unternehmen zu binden. Bei der Fülle an Aktivitäten wird allerdings häufig die Kernaussage des Wortes Service vergessen. Das englische Wort Service leitet sich vom lateinischen servare (dienen) ab und bedeutet schlichtweg Dienst. Es genügt nicht, Abläufe und Mechanismen zu installieren. Für einen lebendigen Service ist das Eingehen auf den einzelnen Kunden und seine Belange das A und O. Nicht der automatisierte Perfektionismus sondern gelebte Begeisterung fasziniert. Wer sich tagtäglich immer wieder neu auf das Abenteuer einlässt, seinen Kunden - von Mensch zu Mensch - zu dienen, sie zu verwöhnen, wird nicht so leicht den folgenden Service-Irrtümern unterliegen.
Service-Irrtum Nr. 1
Alle bieten diesen Service - wir auch.
NEIN !!!
Wie alle zu sein, heißt in der anonymen Masse unterzugehen.
Egal, welchen Service Sie anbieten - ob Lieferservice oder Ersatzgeräte
während einer Reparatur, ob Regenschirme für den
Weg zum Parkplatz oder außergewöhnliche Öffnungszeiten -
der Service muss sich am Kunden orientieren, ihn in den Mittelpunkt
aller Bemühungen stellen und so zum echten Kundendienst
werden. Wird jeder einzelne Service-Bestandteil unter
diesem Gesichtspunkt hinterfragt und umgesetzt, ergibt sich fast
von selbst ein buntes Service-Muster. Anders als beim direkten
Mitbewerber, anders als beim Konkurrenten in der Nachbarstadt. Wie das schon so oft zitierte bunte Ei, trägt erst ein unternehmens/
kunden-spezifisches Service-Angebot dazu bei, sich
von der Masse abzusetzen.
Service-Irrtum Nr. 2
Ein Lächeln genügt.
NEIN !!!
Nachdem es sich endlich herumgesprochen hat, dass ein Lächeln
der kürzeste Weg zum Kunden ist, werden reihenweiße
die Zähne gezeigt. Das automatische Öffnen der Lippen bei
jedem Kunden ist aber noch längst keine Sympathiebezeugung.
Stereotypes Dauerlächeln genügt nicht. Der Kunde merkt
sehr schnell, ob er und sein Anliegen ernst genommen werden
oder ob die Verkäuferin gerade in der Schulung auf Lächeln
getrimmt wurde. Leuchten dagegen die Augen mit, weil der
Kunde "pflegeleicht" war oder man gemeinsam doch noch
das Richtige gefunden hat, kommt die Botschaft auch an. Und
die Botschaft eines Lächelns heißt immer "Ich mag dich".
Für ein ehrliches Lächeln gibt es viele Gründe: Eine positive Grundeinstellung gehört ebenso dazu wie Spaß an der Arbeit und am Erfolg. Auch Kontaktfreude und ein grundsätzliches Verständnis für den Anderen, macht ein Lächeln aufrichtig. Ein Lächeln kann ermuntern, trösten oder beschwichtigen. Es kann helfen, ein Problem zu lösen und darf auch Ausdruck für einen geglückten Abschluss oder eine neue Herausforderung sein.
Lächeln ist keine Tiefkühlkost, sondern ein Stück Sympathie und Herzenswärme!
Service-Irrtum Nr. 3
Der digitale Kunde braucht keinen Service.
NEIN !!!
Computer ersetzen den Menschen. Eingabemasken werden
benutzerfreundlich gestaltet, der Dialog läuft über die Enter-
Taste. Das System ist darauf ausgerichtet zu reagieren. Ja oder
nein, entweder dies oder das. Der Kunde muss sich der Technik
unterordnen, sich allzu oft mühsam durch das Menü hangeln,
um schließlich sein Ziel zu erreichen. In vielen Bereichen schnell,
unverzichtbar und bequem. Manchmal nervtötend, vor allem
dann, wenn kleine Abweichungen des üblichen Vorgehens
notwendig sind. Eine Bahnfahrkarte ins Ausland z. B. per Internet,
aber ohne Kreditkarte - geht nicht! Der kompetente Hotline-
Berater wusste Rat. Und bei der Auftragsbestätigung per
Email staunt man schon über das kleinste persönliche Zeichen,
um auch als Mensch und nicht nur als Kunden-Nummer betrachtet
zu werden. Oder ganz banal: Bei der Flaschenrückgabe
am Pfandautomaten ertönt zum wiederholten Mal das Fehlersignal.
Nur das beherzte Eingreifen des Personals verhindert,
dass der Kunde seine Kaufgewohnheiten ändert und zukünftig
vielleicht den Getränke-Heimdienst bestellt.
Tipp: Ein paar verbale Streicheleinheiten bewirken manchmal mehr als die ausgefeilteste Technik.
Service-Irrtum Nr. 4
Der Kunde hat gekauft, also ist er zufrieden (und kommt automatisch
wieder).
NEIN !!!
"Auf Wiedersehen!" Leider wird der freundliche Gruß beim Verlassen
der Geschäftsräume nicht automatisch zur Wirklichkeit.
Wer einmal kauft, kommt immer wieder - schön wäre es. Ein
Erstkauf oder der Test-Besuch beim Bauberater, Frisör oder Optiker
kann der Einstieg in eine lange Geschäftsbeziehung sein.
Damit diese aber auch von Dauer ist, bedarf es meist weiterer Anstöße. Natürlich kann der Wirt warten, bis der Gast wieder Hunger hat, dann wird er schon wieder kommen. Oder eine andere Adresse bevorzugen. Es lohnt sich also, einen positiven ersten Eindruck zu hinterlassen und diesen auch zu pflegen, indem die Zufriedenheit des Kunden erfragt, ein kleines Dankschön überreicht, ein neues Angebot gemacht wird.
Service-Irrtum Nr. 5
Schilder weisen den rechten Weg.
NEIN !!!
Eingang, Auskunft, Wartezimmer, Angebot der Woche, Profi-
Tipp, Kasse, Sonderaktion ..... Jedes Ding hat seinen Namen
und ein Schild weist darauf hin. Eines ist unbestritten: Eine klare
Beschilderung hilft bei der Orientierung und ermöglicht es den
Kunden, möglichst ohne Umwege zum Ziel zu gelangen. Displays
können schnelle Zusatzkäufe generieren oder auf ganz
besondere Leistungen des Hauses aufmerksam machen. Aber:
Leider sind sie stumm! Auch noch so laut aufgemachte Werbebotschaften
eröffnen nicht automatisch den Dialog. Zwar funktionieren
sie als Blickfang und Anstoß, doch häufig führt erst der
zusätzliche Hinweis des Personals zur aktiven Auseinandersetzung
damit. Die persönliche Aufforderung: "Wir machen diese
Woche eine Käseverkostung. Probieren Sie doch unseren herzhaften
Schmelzkäse. Einfach köstlich!" klingt doch schon ganz
anders in den Ohren des Kunden als das anonyme "Probieren
Sie selbst!" auf der Tafel am Probiertisch.
Service-Irrtum Nr. 6
Kaffee steht bereit. Der Kunde kann sich bedienen.
NEIN !!!
Gut gemeint: Vollautomatische Kaffeemaschine und Tassen an
einem kleinen Stehtisch im Schalterraum der Bank oder beim
Autohaus. Leider wird das Angebot nur wenig genutzt. Die für
diesen Service zuständige Angestellte richtet zwar jeden Morgen
diesen Service vor. Aber nur hinstellen reicht meistens nicht.
Während Patienten im Wartezimmer beim Zahnarzt noch eher
zum angebotenen Mineralwasser als Erfrischung greifen, macht
in der Bank oder im Autohaus kaum jemand Gebrauch von der
netten Geste. Das Problem liegt zum einen in der Platzierung. In
der hintersten Ecke versteckt, geht kaum ein Kunde Kaffee holen.
Zum anderen trauen sich viele Menschen nicht, sich einfach
zu bedienen. Fragt dagegen die Mitarbeiterin "Frau Bauer,
haben Sie denn schon unseren Kaffee probiert?", wird das persönliche
Angebot gerne angenommen.
Service-Irrtum Nr. 7
Service ist Chefsache.
NEIN !!!
Natürlich ist Service Chefsache. Auch. Aber nicht nur. Service
muss vom Chef natürlich vorgelebt werden, dann aber ist er
Sache jedes einzelnen Mitarbeiters eines Unternehmens. Schnelle
Angebotserstellung und zuverlässige Abwicklung eines Auftrages
werden vom Kunden honoriert. Gibt es darüber hinaus
noch ein bisschen mehr, eine kleine, auch "ideelle" Draufgabe,
wird der Auftraggeber das zu würdigen wissen und auch weiter
erzählen - oder eben das Gegenteil.
Beispiel: Das Dach eines Einfamilienhauses soll neu gedeckt werden. Mit dem Dachdeckermeister ist alles abgesprochen und die Mannschaft rückt pünktlich an, um zunächst das Gerüst aufzubauen. Ein Element ragt ins Blumenbeet. Statt wie geplant dort die Leiter zu platzieren, bauen die Handwerker diese auf der anderen Seite auf und nehmen dafür einen Umweg in Kauf. Die Bauherrin dankt den Männern für die Rücksichtsnahme mit einer Brotzeit. Service auf Gegenseitigkeit.
Service-Irrtum Nr. 8
Der Kunde weiß, was er will.
NEIN !!!
Nur sehr wenige Kunden haben eine exakte Vorstellung von
dem, was sie suchen. Die einen sind unentschlossen und benötigen
deswegen Hilfestellung bei der Entscheidung, die anderen
haben einen finanziellen Rahmen abgesteckt, die nächsten
wiederum kaufen ein Produkt aus Gewohnheit, weil sie gar
nicht wissen, dass es auch eine bessere/günstigere/schönere
Alternative gibt. Gerade die Vielzahl der Angebote, die Austauschbarkeit
der Produkten und Leistungen fordern eine Beratung
oft geradezu heraus. Kompetente Beratung steht ganz
oben in der Service-Hitliste. Sie anzubieten sollte nicht versäumt
werden. Derjenige Kunde, der schon ganz genau weiß, was er
will, oder einfach nur mal schauen möchte, wird sie dankend
ablehnen. Alle anderen sind froh über den Service. Dazu zählt z.
B. auch der Hinweis im Drogeriemarkt, dass es das ausgewählte
Spülmittel ab Donnerstag im Angebot gibt.
Service-Irrtum Nr. 9
Reklamationen bearbeitet die Reklamationsabteilung.
NEIN !!!
Auch wenn ein Unternehmen eine extra Stelle für die Abwicklung
von Reklamationen hat, geht dieser sensible Bereich des
Kundenkontaktes alle an. Damit wird dem Kunden signalisiert,
dass er auch dann erwünscht ist, wenn er gerade unzufrieden
ist. Muss z. B. ein fabrikneues Auto gleich (mehrfach) zur Reparatur, wird der Besitzer mit Sicherheit erst einmal verstimmt sein.
Bemüht sich aber nicht nur die Dame an der Reparaturannahme
um eine schnellstmögliche Lösung, sondern auch der Werkstattleiter
gibt zu verstehen, dass er sich persönlich um das Problem
kümmern wird, sieht die Angelegenheit gleich viel besser
aus. Wird dann auch noch vom Verkäufer ein attraktives Ersatzfahrzeug
gestellt, kommt der Kunde - trotz ursprünglichen Ärgers
- vielleicht noch in den Genuss, einmal den Wagen zu fahren,
den er sich nicht leisten konnte.
Service-Irrtum Nr. 10
Das Unternehmen lebt vom Verkauf
NEIN !!!
Nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen muss ein Unternehmen
verkaufen, um Gewinne zu erzielen. Doch ist dies nur die
eine Seite der Medaille. Soll der Erfolg nachhaltig sein, müssen
stets der Kunde und seine Wünsche in die Planung mit einbezogen
werden. Produkte und Leistungen eines Unternehmens
müssen dem Kunden einen Nutzen bringen. Das WIE ist immer
wieder neu zu hinterfragen. Das heißt, auch der Kundenservice
muss flexibel bleiben. Wird er stets an den aktuellen Belangen
der Empfänger ausgerichtet und nicht zum automatisierten
Vorgang - kann er zum Meilenstein der Kundenbegeisterung
werden.