Schönes Wochenende!
Geschafft! Es ist Sonntagabend, 23.00 Uhr. Ich schließe die Scheunentore und werfe einen Blick zum Himmel. Die sich von Westen her auftürmenden Wolkenmassen bedecken bereits mehr als die Hälfte des spätsommerlichen Sternenhimmels. Und schon sind die ersten Tröpfchen in der Luft zu spüren.
Der Einsatz hat sich wieder einmal gelohnt! Als der Wetterbericht am Donnerstag schönes Wochenendwetter ankündigte, waren wir eher skeptisch, denn noch regnete es - wie so oft in diesem Sommer. Doch drei Tage Sonne sollten eigentlich reichen, den zweiten bzw. dritten Schnitt Wiesen- und Kleegras sauber zu ernten. No risk - no fun! Entscheidungen für wetterabhängige Feldarbeiten müssen häufig unter dieser Devise getroffen werden. Zögern rächt sich. Entweder muss die Arbeit auf unbestimmte Zeit verschoben werden oder der Regen zwingt zur Unterbrechung. Die Ernte verdirbt oder verliert an Qualität.
Für die Familie bedeutet schönes Wochenendwetter schnell umdisponieren. Privataktivitäten werden zurückgestellt, alle verfügbare Kraft wird auf die bevorstehende 48- oder 72-Stunden- Aktion konzentriert. Diesmal heißt es mähen, wenden, rechen, schwaden, pressen, aufladen, transportieren, wickeln. Alle Maschinen müssen gewartet und einsatzbereit sein, die Transportfahrzeuge leer, Traktoren aufgetankt. Wie ein roter Faden ziehen sich solche Hauruck-Aktionen durch dieses Jahr. Der Wettlauf mit dem Wetter begann schon im Frühjahr bei der Aussaat, Heu- und Getreideernte verliefen nicht viel anders und einiges steht ja noch an, bis sich Ende Oktober die Schwerpunkte auf weniger witterungsabhängige Tätigkeiten verschieben. Und es hat jedes Mal geklappt! Auch diesmal wieder. Sogar das Gras für die Cops*, wurde noch abgeholt. Der Fahrer der Trocknungsgenossenschaft kennt unsere Wiesen mit moorigem Untergrund. Statt wie eingeplant am Montagmorgen, kam er lieber noch am späten Sonntag-Abend. Danke.
Müde und glücklich über den errungenen "Sieg" öffnen wir eine Flasche Wein und stoßen auf den heiligen Petrus an. Den brauchen wir Bauern als Verbündeten, auch wenn er nicht immer ganz unserer Meinung ist. Und am nächsten morgen kann ich dann ganz beruhigt ins Büro gehen und den Berichten von Kollegen über Stadtfeste, Ausflüge und Biegartenbesuche lauschen. Oder dem allgemeinen Gejammer über den verregneten Sommer. Komisch - davon habe ich gar nicht viel mitgekriegt. Schönes Wochenende!
*Grascops sind ein wertvolles hofeigenes Futter. In genossenschaftlichen Trocknungsanlagen wird Gras (Getreide, Mais etc) getrocknet und zu Cops gepresst. Jeder Bauer erhält das Trockengut aus seiner Anlieferung zurück. Grascops werden an Milchkühe, aber auch an Pferde und Geflügel verfüttert und stellen eine Alternative zu importierten Eiweißfuttermittel, wie z. B. Soja, dar.