Waldweihnacht
O du fröhliche ... Weihnachten fängt bei uns Ende August an. Von der nahe gelegenen Lebkuchenbäckerei weht der erste süße Duft über unsere Felder. Sobald dann das Verkaufs-Knusperhäuschen die ersten Lebkuchen feilbietet, müssen diese auch gekostet werden. Sie schmecken einfach traumhaft gut! Doch dann reicht's erst mal! Für die nächsten drei Monate gilt Weihnachtspause! Ich will nicht verweihnachtet werden. Nicht der Lauf der Jahreszeiten bestimmt mehr, was wir tun, sondern der Vorlauf. Schon zum Schulbeginn verstopfen Spekulatius und Schokoladen- Nikoläuse die Regale im Supermarkt. Wie soll ein Kind sich da noch auf Weihnachten freuen?
Ich genieße das Jahr lieber ganz altmodisch ZEIT-gemäß, lasse mich von den immer kürzer werdenden Tagen auf die Adventszeit hinführen, von einer Kerze zur vierten und freue mich auf Weihnachten. Schon Tradition hat unsere Waldweihnacht ein oder zwei Tage vor Heilig Abend. Aus dem ganzen Landkreis kommend, treffen wir uns auf einem Parkplatz und wandern gemeinsam durch den nächtlichen Wald zur alten Burg auf dem Gipfel. Bei jedem Wetter. Nicht immer verzaubert Schnee oder Raureif die Kulisse. Eiseskälte ließ schon die Posaunen einfrieren, Regen und Sturm löschten die Fackeln, doch die Flötenkinder spielten munter ohne Noten weiter. Schon beim Aufstieg wird eine Veränderung spürbar. Die kalte Nachtluft befreit. Dunkelheit umfängt uns. Ruhe kehrt ein. Nach einigen Stopps mit kurzen Beiträgen der Landjugend folgt die Andacht unterhalb der angestrahlten Ruine. Nirgends klingt "O du fröhliche" schöner und ehrlicher als in dieser Winternacht. Jetzt kann Weihnachten kommen. Natürlich zuerst am eigentlichen Ort des Geschehens: im Stall. Auch Heiligabend kommt die Versorgung der Tiere vor der Bescherung. Füttern, misten, Kühe melken, Kälber tränken - wie alle Tage eben - und doch ein wenig anders, denn wer genau hin hört, versteht in dieser Nacht die Sprache der Tiere.
Ich wünsche Ihnen eine fröhliche, besinnliche Weihnachtszeit und lade Sie schon jetzt ein, auch im nächsten Jahr ein bisschen Landluft zu schnuppern.
Herzlichst Ihre