Wie Unkerich zu einer Fahrt mit dem Mähdrescher kam
Als Kind liebte ich Lurchis Abenteuer. Immer wenn neue Schuhe angeschafft wurden - und die kaufte man damals noch im Fachgeschäft - gab es eine neue Folge der grünen Heftchen mit den Erlebnissen des mutigen Feuersalamanders und seiner fünf tierischen Freunde. Ob Vulkanausbruch oder Landung auf dem Mars - Lurchi meisterte jede Gefahr, während Freund Unkerich meist die Verlierer-Karte zog.

Doch einmal wurde Unkerich zum "King" - dank einer Exklusivfahrt auf dem Mähdrescher. Mein Mann hatte gerade eine Schneise durch das reife Gerstfeld geschnitten, als etwas schwerfällig eine dicke Kröte versuchte, zwischen den noch stehenden Getreidehalmen Deckung zu finden. Diese vermeintliche Sicherheit aber hätte den kleinen Feldbewohner kaum vor den Gefahren der gefräßigen Erntemaschine geschützt. Kurz entschlossen stoppte mein Mann seine Arbeit, stieg ab und holte den beleibten Unkerich* zu sich auf den Fahrersitz. Verdutzt zappelte er auf dem Schoß des Mähdrescherfahrers, doch gab es erst mal kein Entkommen aus der Sicherheitsverwahrung, auch nicht als plötzlich ein warmes Bächlein über die schützende Hand des Retters rann. Einhändig bediente mein Mann die Maschine bis zum Feldende, um dort den Geretteten behutsam im angrenzenden Maisfeld abzusetzen. Unkerich war damit einverstanden und machte sich unverzüglich davon. Bestimmt um Lurchi von seinem Abenteuer zu berichten.
*Um ganz korrekt zu sein: Unkerich ist eine Gelbbauchunke, gerettet wurde eine Erdkröte (bufo bufo).