Ei-Ei
"Cheek to Cheek"
"Eiei" machen, sagen wir bei uns, wenn wir in inniger Vertrautheit Wange an Wange schmeicheln. Ein Ausdruck der Zuneigung, die dem Baby genauso sagt: "Ich habe dich lieb" wie der Großmutter oder dem Partner. Eiei tut gut! Aber auch ein Streicheln oder Händedruck, gibt Kraft, ermuntert, beruhigt. Und bei etwas mehr Distanz (z.B. gegenüber Kunden) ersetzen Worte und Gesten die körperliche Berührung. Nicht nur in zwischenmenschlicher Hinsicht, sondern auch in der Beziehung von Mensch und Tier lösen Streicheleinheiten manches Problem. Unsere heutige Episode des Landlebens zeigt, wie wirkungsvoll diese Streicheleinheiten sein können. Aber man muss sein Gegenüber eben genau dort abholen, wo es sich gerade befindet.
Streicheleinheiten
Hinter unsrer Stadltür
steht ein alter Musketier,
spielt auf seiner Bassgeig'n auf,
hat keine Saiten drauf!
Dieses Volkslied kommt mir in den Sinn, während ich meine Bassgeige streiche. Nicht im Orchester. Nicht für die Hausmusik, sondern im Stall. Mein Instrument heißt "Andromeda" und ist eine frisch gebackene Kuh-Mama, die eben gemolken wird.
Während ich mit den Fingern der linken Hand die Schwanzwurzel klopfend massiere, streiche ich mit der Bürste in der rechten die üppigen Backen entlang bis zum Euter. Auf und ab, immer schön im Takt der Vakuumpumpe. Nur so hält Andromeda einigermaßen still, bis das Melkzeug wieder abgesetzt wird. Nicht zum ersten mal greifen wir zu diesem Trick.
So wie die gelbe Kuh von Franz Marc springen Kühe manchmal auch beim ersten Melken.
In schöner Regelmäßigkeit gibt es Sensibelchen im Stall, die sich erst an die ungewohnte Prozedur des Melkens gewöhnen müssen. Die meisten Kühe halten freiwillig still, denn mit der "gespendeten" Milch verringert sich auch der Druck aufs Euter - gerade kurz nach dem Kalben, wenn die Milch einschießt. Meist genügt es, wenn der Melker (mein Mann) mit der Hand beruhigend am Bauch krault, dass alle vier Kuhbeine Bodenhaftung kriegen. Wenn nicht, kann es schnell passieren, dass das Melkzeug mitsamt der Milchkanne in hohem Bogen durch die Luft geschleudert wird. Dann heißt das nächste Problem, woher die Milch für das Kalb nehmen. Die Biestmilch der ersten Tage ist für dessen Gesundheit besonders wichtig. Zwar versprechen allerhand mechanische Wunderwerke, wie Fuß- oder Hüftfesseln, eine Kuh ruhig zu stellen, doch bei manchen Tieren erweist sich schon das Anlegen als unmöglich, weil sie wahre Veitstänze aufführen. Da hilft nur Handauflegen - siehe oben. Im Laufe der Jahre habe ich so meine Erfahrungen gemacht. Jede Kuh hat ihren individuellen Beruhigungspunkt, und der muss schnellstmöglich gefunden werden - von der Nasenspitze bis zum Knie sind diese "erogenen" Zonen verteilt. Richtig stimuliert wird aus der mit allen Vieren schlagenden und springenden Wildkuh das sanfteste Wesen. Bis zum nächsten Melken.
Kontrabass (volkstümlich Bassgeige): Wie schon der Name Bassgeige sagt, ist es das größte und tiefste Streichinstrument der Geigenfamilie. Der Kontrabass ist sehr vielseitig einsetzbar, z.B.: Orchester, Volksmusik, Jazzband, Bigband, verschiedenste Ensembles.