Steinreich
Das kann nicht Beatrice sein! Mit Feuereifer sammelt die sonst immer zappelige und dreimalkluge Freundin unserer Jüngsten mit uns zusammen Steine vom Feld. Schon wieder ist der Eimer voll und dort muss ein Riesenstein erst frei gegraben werden. Wer hilft denn mal, den Koloss auf den Frontlader zu hieven? Da glitzern Glimmersteine verführerisch in der Sonne. Dort krabbelt eine neongrüne Spinne. Fundstücke wie Tonscherben, ein verrostetes Ochseneisen oder gar ein Hufeisen von den im dreißigjährigen Krieg durchziehenden Schwedenpferden, verwandeln die anstrengende Arbeit in eine spannende Geo-Bio- Geschichts-Exkursion.
Wer ernten will, muss säen - oft müssen wir dieses Sprichwort ergänzen: Wer säen will, muss Steine klauben. Das Steine vom Feld sammeln gehört zu den elementarsten Frühjahrsarbeiten. In einer wahrhaft steinreichen Ecke beheimatet, führt auch die moderne Technik nicht daran vorbei. Werden die Felder zur Saat hergerichtet, ziehen wir mit Traktor, Frontlader, Kipper und möglichst vielen Helfern los. Großeltern und Kinder werden aktiviert, denn wenn viele Hände zusammen langen, geht’s natürlich schneller. Abhängig vom Steinigkeitsgrad des jeweiligen Feldes wird die Größenordnung für die zu sammelnden Steine bestimmt. Auf einem "Schotterfeld" gelten faustgroße Steine schon als Staubkörnchen. Andere Grundstücke sind eher mit gleichmäßig verteilten Basaltbrocken bestückt oder der Pflug hat große Gneisplatten freigelegt. Das gefällt dem Traktorfahrer - zügig in Schlangenlinien über den Acker zu steuern, ist weniger einschläfernd als im Kriechgang Spur neben Spur zu zockeln. Das wiederum ist die Gelegenheit für die ersten gefahrlosen Fahrstunden des bäuerlichen Nachwuchses. So mancher stolze Dreikäsehoch darf da schon mal selbständig das Lenkrad übernehmen.
Bis zu ihrer späteren Verwendung werden die Steine auf großen Haufen zwischengelagert. Auch heute noch nutzen wir sie als Baustoff. Zwar nicht mehr zum Mauern wie früher, doch sind schon viele Tonnen des handverlesenen Materials als Rollierung im Untergrund verschwunden. Schlaglöcher in den Wegen werden damit aufgefüllt und besonders schöne Stücke finden sich in meinem Garten wieder. Wege aus Feldstein-Mosaik gibt es in keinem Baumarkt zu kaufen.