Schwimmen lernt man im See
Eintauchen ins kühle Nass - was gibt es an einem heißen Sommertag schöneres? Ein kleiner See - eigentlich ist es nur ein großer Fisch- und Badeteich - in unmittelbarer Nachbarschaft zu unseren Wiesen und Feldern lädt zum erfrischenden Vergnügen ein. Eine Einladung, die wir oft und gerne nutzen - nach getaner Arbeit oder zur Abkühlung zwischendurch bei der Ernte. Nach einer Runde Schwimmen fühlt man sich wie neu geboren und die Arbeit geht wieder leichter von der Hand. So drehte ich vor vielen Jahren mit unserer ältesten, damals gerade einjährigen, Tochter manche Runde durch den Teich, bevor ich sie zum Nachmittagsschlaf in den Kinderwagen packte und ich mich auf dem Feld dem Rübenhacken widmete. Später genossen die Kids sooft es ging am Teich unbeschwerte Badenachmittage. (Unser Badeparadies liegt nämlich gute 5 km von unserem Wohnort entfernt, weil unser Bauernhof aus zwei Höfen unserer Vor-fahren "zusammen gewachsen" ist). Das heißt immer, wenn ohnehin eine "Arbeitsfahrt" anstand. Oder wenn ich mir die Zeit genommen habe, mit ihnen baden zu gehen. Und das war manchmal gar nicht so einfach. Denn auf dem Hof gibt es immer viel zu tun. Zum Glück lässt sich so manches auch noch am späten Abend erledigen. Zum Schwimmen im See aber muss es warm sein. Unser raues Mittelgebirgsklima geizt mit warmen Tagen ohnehin. Unterstützung erhielt ich oft von meiner Schwiegermutter, wenn sie meine Gewissensbisse zerstreute: "Wer weiß, ob es morgen wieder so schön wird. Geh doch mit den Kindern schwimmen. Die Arbeit läuft dir nicht davon!" Stimmt! So haben alle drei Kinder im Badeparadies am Waldrand schwimmen gelernt.
Auch unser kleiner Enkel wurde schon infiziert und der Schwan, der eigentliche Herr des Sees, äugt höchstens mal neugierig zu uns herüber.
Natürlich gilt das gleiche im Winter. Liegt endlich genügend Schnee und die aufgestellten Tafeln verkünden, dass der kleine Schlepplift läuft, dann heißt es Skier raus holen und den Abhang runter sausen. Schon morgen kann es wieder regnen, dann ist es zu spät.
Wir halten es mit Erich Kästner: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es! So packten wir schon so manche Gelegenheit beim Schopfe. Schnell reagieren bringt oft mehr Vergnügen, als von langer Hand geplante Aktionen. Mit Wehmut denke ich manchmal an meine eigene Schulzeit, wo es noch von heu-te auf morgen möglich war, einen Wandertag einzuschieben oder nach der Pause hitzefrei zu geben. Heute sind wir so gut organisiert und auf Sicherheit bedacht, dass uns diese Flexibilität abhanden gekommen ist. Schade eigentlich. Doch für uns selbst können wir uns die Freiheit bewahren, den Augenblick zu genießen, ganz bewusst zu leben und daraus Kraft zu schöpfen.