Blauhilde im Maisfeld
oder: Wer hat es dem Schwalbenschwanz gesagt?
Kraut und Rüben gehören zusammen. Ein kleines Eckchen im Futterrübenfeld, ist seit jeher für das Kraut reserviert. Blumenkohl, Kohlrabi, blaues Kraut und natürlich weißes zum Sauerkrautmachen werden dort traditionell für den Speisezettel der Familie angebaut. Und zwar aus ganz praktischen Überlegungen heraus. Bodenbearbeitung und Düngung (Mist) muss nicht von Hand erfolgen.
Als der Mais die arbeitsintensiven Rangers (Runkelrüben) als Viehfutter verdrängte, habe ich meinen privaten Gemüseanbau kurzerhand ins Maisfeld integriert. Mit ganz neuen Möglichkeiten. Die zwei Meter hohen Pflanzen umschließen das Beet wie eine Mauer, schützen vor dem immerwährenden Wind, sodass ein ganz eigenes Kleinklima entsteht. Auf der "Plantage" wachsen nicht nur Möhren, Zwiebeln und Radieschen hervorragend. Tomaten, Gurken, Zucchini und Bohnen gedeihen ebenfalls prächtig. "Blauhilde" z. B. eine wärmeliebende Sorte, die munter die Maisstängel erklimmt - extra Bohnenstangen sind nicht nötig. Sogar die Kürbisse lieben den Mais als Kletterhilfe und baumeln lustig über dem Boden - besonders angenehm beim rückenfreundlichen Ernten.
Auch Bohnenkraut, Majoran oder Dill fühlen sich im Maisfeld wohl. Und locken außergewöhnliche Besucher wie den Schwalbenschwanz an. Der seltene, standorttreue Falter ist bei uns eigentlich in einer ganz anderen Ecke heimisch. Umso überraschter war ich, als ich bei meiner ersten Dillkultur seine farbenprächtigen Raupen dort entdeckte. Wer hat dem Schwalbenschwanz gesagt, dass mitten unter Millionen Maispflanzen fünfundzwanzig Dillpflanzen wachsen? Dill ist eine der wenigen Futterpflanzen für seine gefräßigen Nachkommen. Welcher Fluglotse war da am Werk?
Dieses Jahr gibt es keinen Dill im Maisfeld. Doch im Garten wächst die Weinraute - auch das hat einer dem Schwalbenschwanz geflüstert.