EI

Schrauben, schleifen, löten – Junge Frauen für technische Berufe begeistern

11. November 2009 von Ralf R. Strupat

„Weibliche Mitarbeiter sind in allen Berufen wichtig, nicht nur in traditionellen Frauenberufen“, schreibt Brigitte Jank. Sie ist die Präsidentin der Wirtschaftskammer in Wien und unterstützt vor allem Mädchen und junge Frauen bei der Berufswahl. Ihr Credo: „Wir wollen den jungen Mädchen, die viel zu sehr in tradierten Rollenbildern leben, die Fülle an Chancen aufzeigen, die die Berufswelt für sie bietet.“ Doch bis zu den österreichischen Nachbarn müssen wir gar nicht blicken, denn auch in Ostwestfalen gibt es seit einigen Jahren ein Projekt, das Mädchen und junge Frauen an technische und naturwissenschaftliche Bereiche heranführt – der Girls’ Day.

Durch frühzeitige Begeisterung Perspektiven schaffen

Technische Berufe bieten viele Perspektiven, ist sich Brigitte Jank sicher. „Wer sich als Jugendlicher für Technik und Forschung entscheidet, hat gewonnen und beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt“, weiß die Präsidentin der Wirtschaftskammer in Wien.

In Deutschland ist das Projekt noch recht jung. Seit 2001 veranstalten das Bundesministerium für Bildung und Forschung, die Bundesagentur für Arbeit und viele weitere Kooperationspartner diesen ganz speziellen Tag. Und auch in Versmold, meiner Heimatstadt, wird der Girls’ Day mit Begeisterung aufgenommen. Um ein Beispiel zu nennen: Hier nahmen in diesem Jahr elf Betriebe teil und gaben den Schülerinnen aus den siebten Klassen der Versmolder Real- und Hauptschule bunte Einblicke in die „typische Männerberufe“. Die Betriebe vermittelten den Mädchen wichtige Erfahrungen und konkrete Vorstellungen von den Berufen. Ich finde, spannender können Berufe einfach nicht vorgestellt werden!

Steigende Nachfrage nach Frauen in technischen Berufen

Der Girls’ Day gewinnt bei den Betrieben und auch den Schulen rasant an Bedeutung und Beliebtheit. Vor acht Jahren, zum Start der Aktion, gab es lediglich 39 Veranstaltungen mit 1.800 Teilnehmerinnen. In diesem Jahr nahmen etwas mehr als 127.000 Mädchen und junge Frauen an 9.100 Veranstaltungen teil. Eine wahnsinnig gute Steigerung und Vervielfachung der Teilnehmerinnen. Für das neue Jahr schreibt die Gleichstellungsbeauftragte Ulrike Brunneke derzeit wieder Firmen in Versmold an. Auf der Homepage der Stadt Versmold lesen Sie, warum es neben dem Girl’s Day hier auch einen Boys’ Day gab.

Ein Kommentar

  1. Hallo Herr Strupat!
    Ich stöbere gerade im Nezt und wollte mal schauen, was aus meinem Namen dort so alles gemacht wird und da stoße ich auf diesen interessanten Beitrag auf Ihrer Seite. Wir hatten bereits die Freude, uns mal begegnet zu sein, als wir kürzlich mit der Leitungsriege der Stadt bei Ihnen im Begeisterungsland waren – vielleicht erinnern sie sich.
    Eine Idee bzw. Anregung für Sie schwirrte mir die Tage nach dem Seminar noch im Kopf herum und nun, da ich lese, dass Sie einem geschlechtspezifischen Blick in die Arbeitswelt offen eingestellt sind, möchte ich Ihnen meine Idee doch noch rückmelden:
    In Ihrem Vortrag wurde deutlich, dass Sie mit vielen auch hochrangigen Firmen in Kontakt kommen. Mit Blick auf den bevorstehenden Fachkräftemangel erkenne ich leider wenig Aufgeschlossenheit bei Firmen, Frauen (ca.30-40 Jahre)für eine Teilzeitausbildung anzuwerben. Das ist Schade. Sie wissen, was Familienfrauen können und geleistet haben, wenn sie die Familienphase mit kleinen Kindern hinter sich gebracht haben. Es gibt relativ viele Frauen, die vor ihren Kindern keine Ausbildung hatten oder nach den Kindern in einen ganz neuen Beruf gehen würden, auch in Form einer neuen Ausbildung – allerdings in Teilzeit. Ich glaube, es täte Firmen gut, um diese Frauen zu werben, sie bringen viel Lebenserfahrung, Organisationsgeschick und Umsichtigkeit mit. In meiner Beratung erlebe ich häufig, dass die Frauen es von sich aus als Hemmschwelle ansehen, sich mit 40 noch mal für eine Ausbildung zu bewerben. Schließlich tun sie es nicht – schade. Es wäre doch für die Firmen ein Gewinn, sich in diese Richtung zu öffen, finden Sie nicht?
    Einen freundlichen Gruß!
    Ulrike Brunneke

Schreiben Sie einen Kommentar